Freitag, 15. August 2014

Blattläuse und zwei Cocktails



Ich habe es geahnt, der Sommer wird vom Herbst verabschiedet. Kalt und nass bleibt die Hoffnung auf einen lauen Spätsommerabend, gemütlich, ein letztes Mal unter Bäumen im Gartenlokal sitzend. Allein dieser Gedanke hebt die Stimmung um einige Zentimeter auf der Skala der Trübsinnigkeit. Der Höhepunkt wäre in trauter Zweisamkeit, unter den klebrigen Ausscheidungen der Blattläuse, die ein letztes Mal die Blätter der Akazienbäume aussaugen, einen Cocktail zu schlürfen, wobei mit jedem Schluck die Augen tiefer im Antlitz des Gegenübers versinken. Oh schöner Traum, du lässt alles andere vergessen: Kein Urlaub, keine Arbeit, keine Zukunft. Nichts bleibt, außer im Traum ein Leben zu genießen, das die Realität verweigert. Schöne heile Welt, du hast nie existiert, ein arbeitender Mensch hat keine Zeit für Müßiggang und verschwenderische Träume. Beneidenswert, wie er bis zur Erschöpfung seinen Körper spüren darf, wie erstrebenswert der Gedanke an Erholung durch Urlaub die Stimmung hebt. Meine Gedanken an Urlaub sind lediglich mit der Aussicht auf Veränderung, einem Ortswechsel, verbunden, bleibt doch alles andere gleich ob hier oder dort.

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